ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)

Hinter dem Begriff der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung verbirgt sich eine Diagnose, die in der heutigen Zeit immer häufiger gestellt wird. Statistiken zufolge sind Jungen dabei drei- bis neunmal häufiger betroffen, als Mädchen. Die genaue Anzahl der Betroffenen ist hingegen unklar. Ist ein Kind von dieser Störung betroffen, leidet es unter einer gestörten Fähigkeit zur Selbststeuerung. Diese kommt in der Regel in drei unterschiedlichen Bereichen zum tragen und äußert sich in Form von:

  • Aufmerksamkeits- und / oder  Konzentrationsstörungen
  • Impulsiven und unüberlegten Handlungen
  • Ausgeprägten und starken Bewegungsdrängen („Zappeln“)

Ursachen
Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Entstehung von ADHS begünstigen. Bis heute konnten aber noch lange nicht alle entlarvt werden. Klar ist jedoch, dass eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn der Auslöser von ADHS ist. Hierbei liegt eine Störung des Gleichgewichts der Botenstoffe vor, die für die Konzentration, die Kontrolle von Impulsen sowie die Wahrnehmung verantwortlich sind. Dies betrifft vor allen Dingen den Dopamin- und Noradrenalin-Haushalt.

Die Symptome von ADHS können durch einige Umweltfaktoren zusätzlich verstärkt werden. Derartige Faktoren sind zum Beispiel folgende Punkte:

  • Konsum von Alkohol, Drogen oder Zigaretten während der Schwangerschaft
  • Probleme während des Geburtsvorgangs
  • Eine Infektion im Gehirn
  • Probleme innerhalb der Familie
  • Fehlende Alltagsstruktur
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Milcheiweiß, Phosphate, Zucker)

Symptome
Eine möglichst frühe Erkennung von ADHS ist enorm wichtig, ansonsten kann es durchaus vorkommen, dass es im Laufe der Zeit zu einer großen Störung im Bereich des Sozialverhaltens kommt. Unwissende Außenstehende und teilweise auch die eigene Familie empfinden ADHS-Kinder oftmals als Störenfriede und kommen mit diesen nur schwer klar. Diese Ausgrenzung kann dazu führen, dass sich die Kinder immer mehr zum Außenseiter entwickeln und diese Rolle auch als Erwachsene so fortführen, was eine weitere Belastung bedeutet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die American Psychiatric Association haben bestimmte Kriterien festgelegt, nach denen die Diagnose ADHS erfolgt. Hierbei unterscheidet man zwischen den drei Oberkriterien Aufmerksamkeit, Hyperaktivität sowie Impulsivität.

Die Störung kann natürlich auch vollkommen ohne Hyperaktivität vorkommen, dann redet man allerdings von einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (kurz ADS). Diese tritt im Gegensatz zur ADHS bei Mädchen häufiger auf, als bei Jungen. Geht die Störung ohne die Hyperaktivität einher, wird sie oftmals nicht direkt wahrgenommen. Aus diesem Grund können auch keine exakten Angaben hinsichtlich der Häufigkeit von ADHS gemacht werden. Laut Schätzungen von Experten, könnte sich die Zahl der in Deutschland von ADHS betroffenen Kinder und Jugendlichen auf etwa zwei bis sechs Prozent belaufen. Auf internationaler Ebene schwankt die Zahl zwischen zwei und achtzehn Prozent.

Aufmerksamkeit
Es gibt einige Dinge, an denen man erkennen kann, ob die Aufmerksamkeitsfähigkeit des eigenen Kindes gestört ist. Im Folgenden finden sich einige Beispiele, die auf eine derartige Störung hinweisen:

  • Dem Kind fällt es schwer Einzelheiten zu beachten
  • Dem Kind passieren bei der Bearbeitung der Hausaufgaben viele Flüchtigkeitsfehler
  • Das Kind kann seine Aufmerksamkeit nicht über eine längere Zeit hinweg einer bestimmten Sache widmen
  • Das Kind scheint nicht zuzuhören, wenn andere reden
  • Das Kind tut sich schwer Aufgaben oder Aktivitäten zu organisieren
  • Das Kind umgeht Aufgaben, bei denen eine längere geistige Anstrengung gefordert ist
  • Das Kind verliert oft Dinge oder ist sehr vergesslich
  • Das Kind lässt sich sehr leicht ablenken

Hyperaktivität
Auch eine mögliche Hyperaktivität ist anhand einiger Symptome relativ einfach zu erkennen. Hierzu zählen unter anderem folgende Beispiele:

  • Das Kind zappelt oft mit Händen und Füßen herum
  • Das Kind sitzt in der Schule nur unruhig auf seinem Stuhl oder steht häufig unaufgefordert auf
  • Das Kind ist immer in Bewegung und tut sich schwer ruhig zu spielen
  • Das Kind hört trotz mehrmaliger Aufforderung nicht mit seiner momentanen Aktivität auf

Impulsivität
Wie bei den Punkten Aufmerksamkeit und Hyperaktivität, gibt es auch hinsichtlich der Impulsivität einige Merkmale, die auf eine Störung in diesem Bereich hinweisen. Hellhörig sollte man werden, wenn das Kind immer wieder folgende Verhaltensweisen an den Tag legt:

  • Antworten platzen regelrecht aus dem Kind heraus, noch bevor eine Frage wirklich zu Ende gestellt worden ist
  • Das Kind tut sich schwer abzuwarten, bis es bei Gruppensituationen an der Reihe ist
  • Das Kind unterbricht häufig Gespräche oder Spiele anderer Kinder
  • Das Kind redet wie ein Wasserfall

Weitere Anzeichen
Neben den bereits genannten Störungen, kann es bei ADHS-Kindern zusätzlich noch zu weiteren Problemen kommen. Einige Beispiele dafür sind unter anderem

  • Angststörungen
  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Depressionen
  • Stark ausgeprägte Selbstwertprobleme
  • Lese-Rechtschreibschwäche

Damit die Diagnose ADHS bei einem Kind überhaupt erst gestellt werden kann, müssen mehrere Anzeichen (aus dem jeweiligen Bereich) deutlich wahrnehmbar sein. Darüber hinaus müssen die Verhaltensweisen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen und sich in mehreren Bereichen des Lebens bemerkbar machen. Zudem müssen die Anzeichen bereits im Vorschulalter aufgetreten sein und im Widerspruch zur altersgemäßen Entwicklung des Kindes stehen.

Therapie & Verlauf
Kinder- und Jugendärzte stellen für gewöhnlich die erste Anlaufstelle für Eltern dar, wenn der Verdacht auf ADHS besteht. Sobald erste Anzeichen für die Störung oder irgendwelche Unsicherheiten aufkommen, sollte man unbedingt den behandelnden Arzt aufsuchen. Einige Kinder- und Jugendärzte haben spezielle Weiterbildungen zum Thema ADHS absolviert, ziehen in der Regel jedoch meist einen Kinder- und Jugendpsychiater bzw. Psychotherapeuten hinzu.

Die Behandlung von ADHS ist dadurch gekennzeichnet, dass in diese nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern und eventuell auch andere Angehörige miteinbezogen werden. Das Jugendamt, Erziehungsberatungsstellen oder schulpsychologische Dienste bieten ebenfalls Unterstützung in Form von Beratungen für Eltern und Kinder an. Eine weitere Alternative ist der Eintritt in eine Selbsthilfegruppe, in der man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann.

Die Therapie besteht aber nicht nur aus Beratungsgesprächen, sondern beinhaltet zumeist auch eine medikamentöse Behandlung. Die Medikamente bewirken eine Hemmung der Hyperaktivität und sorgen so dafür, dass die Aufmerksamkeit gesteigert wird und die Selbststeuerung leichter fällt. Darüber hinaus werden motivierter und zeigen eine erhöhte Bereitschaft Leistung zu erbringen.

Vorbeugen
ADHS kann nicht vorgebeugt werden, wenn es genetisch bedingt ist. Die Mutter kann das Risiko jedoch vermindern, indem sie Gefahrenquellen wie Rauchen, Alkohol oder Stress umgeht.

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