Jeder kennt Schmerzen und jeder beschreibt sie anders. Das ist ein Phänomen, das man sonst nur von Gefühlen wie Liebe oder Ekel kennt. Darum sind Schmerzen auch nicht objektiv zu beschreiben. Sie sind eine Sinneswahrnehmung.

So unangenehm Schmerzen oft auch sind, sie erfüllen dennoch eine wichtige Aufgabe: Sie teilen uns mit, wenn etwas mit unserem Körper nicht in Ordnung ist. Insofern sind Schmerzen auch lebensnotwendig, denn ohne sie würden wir Krankheiten nicht wahrnehmen, genauso so wie beispielsweise schädliche Hitze oder Kälte.

Damit der Körper den Schmerz aufspüren kann, hat er Millionen von Schmerzmeldern, so genannte Nozizeptoren, sie werden auch als Schmerzrezeptoren bezeichnet. Sie sind polymodal, das heißt, sie können ganz unterschiedliche Qualitäten wahrnehmen – Säure, Hitze, Druck usw. Nimmt ein Rezeptor einen solchen Reiz wahr, leitet er die Information erst ans Rückenmark weiter. Hier werden bereits erste Schutzmechanismen in Gang gesetzt und der Reiz wandert parallel dazu weiter ins Gehirn – innerhalb von Sekundenbruchteilen. Dort angekommen wird der Schmerzreiz millimetergenau einer Körperregion zugeordnet und jetzt nimmt der Mensch zum ersten Mal den Schmerz bewusst wahr: es tut weh.

Chronische Schmerzen
Halten die Schmerzen lange an oder sind sie sehr intensiv, dann ändert sich etwas in unserem Körper: Die Schmerzrezeptoren reagieren empfindlicher. Sie senden auch ohne Schmerzreiz dauerhaft Signale aus. Es ist, als ob sich der Schmerz regelrecht in den Körper einprogrammiert hätte. Selbst kleine, ganze schwache Reize werden dann als sehr schmerzhaft empfunden. Mediziner sprechen von einem Schmerzgedächtnis, denn der Körper behält sich nun nur noch den Schmerz und hat dabei ganz vergessen, wie er ihn überwinden kann.

Während man früher einen Schmerz als chronisch diagnostizierte, der länger als 6 Monate anhielt, weiß man heute, es müssen noch andere Mechanismen dazu kommen, damit sich der Schmerz festsetzt. Hier spielt zum Beispiel eine Rolle, wie der Patient selber mit dem Schmerz umgeht, wie groß seine Einschränkungen sind, wie sein Arbeitsumfeld und die Familie reagieren etc. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass auch Menschen, die zu Depression neigen, auch eher Dauerschmerzen entwickeln.

Therapie
Wenn die Ursache des Schmerzes nicht bekannt oder nicht rasch zu beseitigen ist, steht an erster Stelle die medikamentöse Therapie, der Betroffene  muss erst einmal schmerzfrei werden und soll nicht mehr leiden. Dafür stehen Medikamente unterschiedlicher Gruppen zur Verfügung. Sie werden nach einem Stufenschema eingesetzt: Als erstes gibt es leichte, rezeptfreie Schmerzmittel für leichte Schmerzen. Wenn diese nicht wirken, kann der Arzt Medikamente der zweiten Stufe verschreiben. Sie sind mit dem Morphin verwandt und wesentlich wirkungsvoller. Die dritte Stufe der medikamentösen Therapie schließlich besteht aus starken Morphinpräparaten, sie werden auch Opioide genannt und gelten als besonders effektiv. Diese Medikamente gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: beispielsweise als Tropfen oder Tabletten – aber auch als Pflaster. Diese Form der Schmerztherapie ist für viele Patienten sehr angenehm, da sie keine Tabletten mehr schlucken müssen und das Pflaster mehrere Tage wirksam ist. Durch die kontinuierliche Abgabe des Wirkstoffes über die Haut gilt das Pflaster außerdem als sehr verträglich. Nebenwirkungen treten weniger häufig auf.

In einer modernen Schmerztherapie ergänzen weitere Verfahren die medikamentöse Therapie. Dazu gehören z.B. psychologische Verfahren, die dem Betroffenen helfen, die Schmerzen an den Rand seines Bewusstseins zu drängen. Zu den Therapiebausteinen gehören außerdem beispielsweise Physiotherapie und Entspannungstechniken. Auch Akupunktur hat sich bewährt. In einigen Kliniken werden auch die so genannte Biofeedbackmethode oder Hypnose angewendet. Hitze und Kälte können eingesetzt werden und auch Malen und Tanzen soll den Körper von Schmerzen befreien. Insgesamt gilt: Eine effektive Schmerztherapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Bücher

  • Roger Russell: Dem Schmerz den Rücken kehren. Junfermann Verlag. 2003. ISBN 3-8738-7537-3, Euro 20.50,–
  • Barbara Glier: Chronischen Schmerz bewältigen. Klett-Cotta Verlag. 2002. ISBN 3-6088-9703-8, Euro 20,00,–
  • Lloise Carr u.a.: Schmerz und Schmerzmanagement. Huber Verlag, Bern. 2002, ISBN 3-4568-3680-5, Euro 26,95,-

Adressen

  • Deutscher Hausärzteverband e.V., Bundesverband, Theodor-Heuss-Ring 14, 50668 Köln, Tel.: 0211-16067-0, Fax: 0221-16067-35, Email: BDA-BV@hausarzt-bda.de, www.hausarzt-bda.de
  • Deutsche Schmerzliga e.V., Adenauerallee 18, 61440 Oberursel, Tel.: 0700-375 375 375 ( werktags von 09.00-12.00 Uhr), Fax: 0700- 375 375 38, Email: info@schmerzliga.de, www.schmerzliga.de
  • Schmerztherapeutisches Kolloquium – Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e. V., Adenauerallee 18, 61440 Oberursel, Email: STK.Zentrale@stk-ev.de, www.stk-ev.de
  • Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), Klinikum der Universität zu Köln, Gebäude 29, Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50924 Köln, Tel.: 0221-478-6686, Fax 0221-478-6688, Email dgss@uni-köln.de, www.medizin.uni-koeln.de

Internet
www.schmerz-netz.de (eine Homepage mit vielen Informationen zu den verschiedenen Schmerzkrankheiten und deren Behandlung.)

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