Kopfschmerzen treten bei Kinder und Jugendlichen immer häufiger auf. Schon im Vorschulalter ist jedes fünfte Kind gelegentlich betroffen, bis zum Ende der Grundschulzeit mehr als die Hälfte. Bis zum 12. Lebensjahr haben rund 90 Prozent aller Kinder gelegentlich Erfahrungen mit Kopfschmerzen. Etwa 60 Prozent dieser Kinder kennen die so genannten Spannungskopfschmerzen, fünf bis zehn Prozent leiden jedoch an Migräne. Unklar ist, wodurch die steigenden Zahlen verursacht werden. Möglicherweise liegt es an den sich verändernden Lebensumständen der Kinder, die immer mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem PC verbringen und an dem wachsenden Leistungsdruck unserer Zeit. Möglicherweise steigen die Zahlen aber auch, weil sich langsam – bei Eltern und Ärzten – die Erkenntnis ausbreitet, dass auch Kinder schon unter behandlungswürdigen Kopfschmerzen leiden. Fakt ist: klagt der Nachwuchs über Kopfschmerzen, sollten Eltern dies ernst nehmen und nicht als Bagatelle abtun. Insbesondere dann, wenn die Kopfschmerzen mehrmals wöchentlich oder länger als einen Tag auftreten, ist es ratsam, zum Arzt zu gehen.

Die Diagnose
Wie bei Erwachsenen unterscheidet der Arzt zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne. Der Migränekopfschmerz tritt üblicherweise in Attacken mit einer Dauer von etwa zwei bis zu 48 Stunden auf. Eine Attacke kündigt sich bei Kindern meist mit kalten Händen und Füßen, auffallender Blässe, Appetitlosigkeit und starker Müdigkeit an. Das Kind möchte sich dann hinlegen, am liebsten in einen dunklen, kühlen Raum. Typisch ist, dass es im Laufe der Attacke einschläft und nach kurzer Zeit weitgehend ohne Beschwerden wieder aufwacht. Der pulsierende, pochende Schmerz betrifft beide Seiten des Kopfes und die Stirn, nur selten sind die Migränekopfschmerzen – wie bei Erwachsenen – einseitig. Typische Begleiterscheinungen sind Übelkeit und Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit. Kurz vor einer Attacke kann es zu neurologischen Ausfällen, der so genannten Aura, kommen. Dazu gehören Flimmersehen, Lichtblitze vor den Augen, Sprachstörungen und Gefühlsstörungen in den Armen und Händen. Oft berichten Kinder von „phantastischen Bildern“ (Alice im Wunderland – Syndrom). Zwischen den Attacken sind die Kinder in der Regel kerngesund. Schwierig ist die Diagnose bei Ein- und Zweijährigen, die noch nicht sprechen können. Hier können Anfälle von Schwindel, verbunden mit Angst, Augenzittern, Bauchschmerzen und Erbrechen darauf hinweisen, dass sie eine Migräne entwickeln. Bei manchen Kindern äußert sich die Migräne in Form von regelmäßig auftretenden Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen ohne Kopfschmerzen. Diese Beschwerden sind häufig eine Migräne-Vorstufe, da die betroffenen Kinder oft in späteren Jahren eine Migräne entwickeln. Schon allein um andere Ursachen auszuschließen, sollten solche Beschwerden unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Die Therapie
Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem alle Informationen über die Art, Stärke, Umstände und Dauer der Schmerzen notiert werden, ist entscheidend für die Diagnose und vor allem für eine erfolgreiche Therapie. Generell steht bei Kindern die nicht-medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Bei leichten Migräne-Attacken reichen oft schon Ruhe und Entspannung in einem abgedunkelten Raum aus. Ein kaltes Tuch auf der Stirn und einige Tropfen Pfefferminzöl, das auf der Stirn und an den Schläfen sanft eingerieben wird, lindern den Schmerz. Nach einem kurzen Schläfchen ist der dann meist verflogen. Bei stärkeren Schmerzen verschreibt der Arzt so genannte Analgetika wie Ibuprofen oder Paracetamol. Diese Schmerzmittel sollten nur dann verabreicht werden, wenn sie der Arzt verordnet. Vor der Einnahme bekommen die Kinder ein bestimmtes Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen verabreicht. Ein sorgsamer Umgang mit Medikamenten sollte dem Kind unbedingt vermittelt werden! Leidet das Kind unter sehr starken Migräne-Attacken oder spricht auf eine Behandlung mit Analgetika nicht an, dann sollte ein Kopfschmerz-Spezialist aufgesucht werden. Dieser kann im Einzelfall weitere Medikamente einsetzen (z.B. Triptane).

Vorbeugung
Alle Experten, die Kinder mit Migräne oder Spannungskopfschmerzen behandeln, sind sich darüber einig, dass verhaltensmedizinische Maßnahmen zur Vorbeugung von Kopfschmerzen vor allem bei Kindern sehr wirksam sind. Als wirksamste Verfahren haben sich bewährt:

  • Entspannungsverfahren, wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und Fantasiereisen (Imaginationsaufgaben, d.h. das Vorstellen von positiven Bildern und Situationen)
  • Biofeedback-Verfahren
  • Multikomponentenprogramme, die neben den beiden erst genannten Therapieansätzen das Erlernen von Stress- und Schmerzbewältigung und das Reizverarbeitungstrainig in den Mittelpunkt der Behandlung stellen.

Die Ursache der Migräne und die komplizierten Prozesse, die während einer Attacke im Gehirn ablaufen, sind noch nicht vollständig erforscht. Doch es gibt Studien die belegen, dass innere Faktoren (Vererbung) und äußere Faktoren (Umwelteinflüsse, zu denen auch Einflüsse des Körpers gehören) zusammenwirken müssen, damit ein Mensch an Migräne erkrankt. Viele Wissenschaftler vermuten, dass die Erbfaktoren das Gehirn und das Nervensystem auf so genannte Triggerfaktoren (Störungen des Schlaf- und Wachrhythmus, Stress, bestimmte Nahrungsmittel, hormonelle Schwankungen) besonders empfindlich reagieren lassen. Es scheint, dass sich das Gehirn der betroffenen Person gegen diese Reize nicht genügend abschirmen kann. Wenn die Summe der Triggerfaktoren die Belastbarkeit des Gehirnes übersteigt, kommt es zu einer Migräne-Attacke.

Zur Vorbeugung von Migräneattacken sollten also die typischen Auslöser soweit wie möglich vermieden werden:

  • Ärger und Stress in der Schule oder Familie
  • Traurige oder enttäuschende Situationen
  • Leistungsdruck
  • Ängste
  • Ein Mangel oder ein Übermaß an Schlaf
  • Unregelmäßige Mahlzeiten
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (individuell muss festgestellt werden, welche Lebensmittel zu einer Verstärkung der Migräne führen können).
  • Lange fernsehen oder am Computer spielen
  • Lange Autofahrten
  • Sportliche Anstrengungen
  • Wetterwechsel
  • Kälte, Lärm oder Aufenthalt in verrauchten Räumen

(Quellen: Deutsche Migräne- und Kopfschmergesellschaft (DMKG) und Migräneliga Deutschland)

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