Nach Erkenntnissen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) leiden 12 – 14 Prozent der Frauen und 6 – 8 Prozent der Männer in Deutschland an Migräne. Sie kann in jedem Alter auftreten, meist beginnt sie jedoch nach der Pubertät. Personen, in deren Familie Migräne vorkommt, haben ein höheres Erkrankungsrisiko.

Diagnose
Ein Kopfschmerz kann in vielen Variationen auftreten. Wichtig ist deshalb eine genaue Anamneseerhebung. Bei der Migräne tritt in typischer Weise ein anfallsartiger, bevorzugt halbseitiger Kopfschmerz (Hemikranie) auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm-, Geruchs-  und Lichtempfindlichkeit, Aktivität verstärkt den Schmerz. Darüber hinaus kann es zu Seh- und Nervenstörungen kommen. Meist wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Bei rund 15% der Migränepatienten gehen den typischen Kopfschmerzattacken Seh- und/oder Gefühlsstörungen sowie andere neurologische Ausfälle als eine so genannte Aura voraus. Durch das Führen eines Migränekalenders (kann aus dem Internet geladen werden) erlangt der Patient einen sicheren Überblick über Häufigkeit und Stärke sowie über Stoffe, die eventuell seine Migräne verstärken. Dies können z.B. Nahrungsmittel wie Käse, Alkohol oder Schokolade sein. Aber auch wiederkehrende Lebensumstände oder Situationen sind häufig Auslöser, z.B. Stress, Änderung des Schlafrhythmus oder die Menstruation. Wer seine Auslöser kennt, kann sie besser vermeiden und sich eventuell einen Migräneanfall ersparen.

Therapie
Zur modernen Akutbehandlung empfiehlt die DMKG so genannte Triptane, die nur bei Migränekopfschmerzen wirken. Triptane sind verschreibungspflichtig, mit dem leichten Naratriptan ist seit dem 01. Juni 2006 ein Präparat frei verkäuflich, das aber nur nach Beratung durch einen Arzt oder Apotheker als Selbstmedikation eingenommen werden darf.

Selbstmedikation:Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Selbstmedikation, wenn die Patienten damit gut zurecht kommen. Die DMKG empfiehlt dazu folgende Medikamente: Einzeldosis mit 1000 mg Acetylsalicylsäure oder Einzeldosis mit 400 mg Ibuprofen oder Einzeldosis mit 1000 mg Paracetamol oder Einzeldosis der fixen Kombination aus 500 mg Acetylsalicylsäure + 500 mg Paracetamol + 130 mg Coffein (oder ähnliche Dosierung). Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als zehn Tage im Monat einnehmen, da Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen verursachen können.

Die medikamentösen Prophylaxe soll eine Reduzierung von Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken bewirken und wird bei häufigen und/oder schweren Migräneanfällen empfohlen. Eine optimale Migräneprophylaxe erreicht eine Reduktion von mindestens 50%. Der Patient führt über vier Wochen einen Kopfschmerzkalender. Danach erfolgt eine tägliche Medikamenteneinnahme, wobei am häufigsten Betablocker, ausgesuchte Kalziumantagonisten und seit Mitte 2005 auch ein Antiepileptikum eingesetzt werden. Nach 6 – 8 Wochen kann eine Beurteilung über die Wirksamkeit der medikamentösen Prophylaxe erstellt werden. Die Behandlung dauert i.d.R. 6 – 9 Monate.

Vorbeugung
Die DMKG empfiehlt allen Migräne-Patienten grundsätzlich Ausdauersport und Entspannungsübungen. Oftmals können Häufigkeit und Stärke der Beschwerden damit positiv beeinflusst werden. Wichtig ist die Regelmäßigkeit. Joggen oder Radfahren und progressive Muskelentspannungstechniken haben sich bewährt. Außerdem hilft den Betroffenen das Erlernen von Methoden zur Stress- und Schmerzbewältigung und Biofeedback-Methoden.

Kontakt
www.dmkg.de, www.michael-balint-klinik.de

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